erinnertes

Assmann: Erinnertes Ägypten. Pharaonische Motive in der europäischen Religions- und Geistesgeschichte. Gebunden

  • Erinnertes Ägypten. Pharaonische Motive in der europäischen Religions- und Geistesgeschichte.
  • Jan Assmann 2010. Kulturwissenschaftliche Interventionen. Bd.6. 2. Aufl.
  • 200 S. m. 26 z. Tl. farb. Abb. 19,5 cm. Gebunden

Auf Glasfenstern in der Kathedrale von Chartres sind die vier Evangelisten dargestellt, wie sie auf den Schultern alttestamentlicher Propheten stehen: Zwerge auf den Schultern von Riesen. Zwerge, die auf den Schultern von Riesen stehen, blicken weiter als diese: dies Sprichwort ist in den Glasfenstern dargestellt. Nehmen wir dieses Motiv als eine Allegorie des kulturellen Gedächtnisses, vermittels dessen sich jede Gegenwart auf den Sockel einer Vergangenheit stellt und ausdieser Position heraus sich in die Zukunft orientieren kann, und zugleich als ein Leitmotiv für unsere Spurensuche nach altägyptischen Ideen und Motiven in unserer abendländischen Welt! Die Frage lautet dann, ob das Abendland nicht nur auf den Schultern der alttestamentlichen Propheten und der griechischen Philosophen und Dichter, sondern auch, zumindest ein wenig, auf den Schultern der altägyptischen Priester und Gelehrten steht. Ich will diese Frage in den ersten drei der folgenden Kapitel anhandvon drei verschiedenen thematischen Komplexen beleuchten, die ich mit den Begriffen "Erlösung", "Hieroglyphen" und "Mysterien" überschreibe. Die letzten beiden Kapitel ergänzen dieses Bild um die Betrachtung der beiden bekanntesten Ägypten-Opern: Mozarts Zauberflöte und Verdis Aida. Die eine illustriert in paradigmatischer Weise das Thema "Mysterien", die andere die historische Wende, nach der Ägypten nicht mehr als Gegenstand der Erinnerung, sondern der wissenschaftlichen Erforschung (und Ausbeutung) im Blick steht. Damit folge ich zugleich einer zeitlichen Linie. Das erste Kapitel hat seinen Schwerpunkt in den formativen Epochen des Christentums zwischen Spätantike und Mittelalter, die zweite den ihren in der Renaissance mit ihrem Interesse für Hieroglyphik, Emblematik und, allgemein gesprochen, eine nicht.

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